Howdy Freunde und alle die dachten oder hofften, sie wären es nicht mehr!
Kein halbes Jahr ist nun wieder vergangen und ich bin schon wieder raus aus
Deutschland, es scheint, als ob ich es da nicht aushalten kann (nicht dass
es an euch liegen würde). Egal, aufmerksame Verfolger meines Lebens wissen,
wo es mich hinverschlagen hat, nämlich dorthin wo sie mehr Parkplätze als
Sozialleistungen haben, die Autos mehr schlucken als Klaus Löwitsch Alkohol,
der Präsident dümmer als erlaubt ist und das Essen mehr Fett als
AnnaNicoleSmith zu Ihren besten Zeiten hat. Ach, und Teyna macht ihren PhD
jetzt hier in Tallahassee, Florida, USA, USA, USA, USA, USA!
Ich entschuldige mich für den letzten Gefühlsausbruch, aber mit all den
Flaggen und patriotischen Postern um einen herum, die einen schon beim
Einreisen empfangen, fällt es schwer, die gute Alte-Europa-Haltung
durchzuziehen, die uns soviel Anerkennung in Amerika einbrachte.
Zurück zum alltäglichen: Der Flug von Frankfurt nach Charlotte war relativ
unaufregend, was jetzt Missgeschicke meinerseits betrifft, also keine
aufgeplatzten Wasserflaschen, verlorene Jacken etc. Aufgeregt hab ich mich
nur, dass USAirways 5 Euro verlangt, wenn man einen Kopfhörer fürs
Bordprogramm braucht. Wenn man seinen eigenen hat, kann man den zwar auch
einstecken, aber dann hat man nur auf einer Seite Ton, da die Halsabschneider
anscheinend ihre Buchsen etwas modifiziert haben. Drecksbande! Dass sie auch 5 Euro pro
alkoholischem Getränk verlangen, ist da schon fast verständlich zu
nennen, bei so nem Präsidenten würde ich mich auch hemmungslos besaufen,
wenn ich wieder ins Land einreise.
Aber ich schwelge wieder in AltEuropäischen Ressintments, zurück nach
Charlotte: Nachdem ich meine Fingerabdrücke für spätere
Terrorismusbekanepfung hinterlassen hatte, konnte ich einigermassen schnell
meinen Hintern und den eingeschmuggelten Schwarzwälder Schinken zum
nächsten Flieger nach Tallahassee bringe, da dieser schon mit laufenden
Motoren wartete. Woher ich das weiß: a) Sass ich direkt daneben b) bin ich
nicht über eine Gangway eingestiegen sondern aus dem Terminal durch ne Tür
raus aufs Rollfeld mit dem StewardessFinger auf eine Maschine gewiesen
worden, die für mich eher nach PrivatJet aussah, so klein war sie. Da
machte dann auch Sinn, dass ich auf meiner Bordkarte trotz Wunsch nach einem
Sitz am Gang ein grosses A als Sitznummer prange hatte. ES GAB NUR 3 SITZE
PRO REIHE! Dass meine Reihe 18 die hinterste war kann nun jeden darauf
bringen, wieviel Leute in dem Flugzeug Platz hatten. und warum ich direkt
neben der Turbine sass. Aber superangenehm der Flug, was auch daran lag,
dass ich nicht aufs Klo musste, welches dummerweise kaputt war. Teyna und
andere Frauen mit Konfirmantenblase hätten also gestrest auf das Ende des
Fluges gewartet...
The beautiful backyard where I stayed.
Ok, genug für jetzt, es sei noch kurz gesagt, das ich in einer Beziehung
nicht mehr Jungfrau bin: Mein Gepäck hat es leider nicht zeitsynchron mit
mir nach Tallahassee geschafft, aber am Tag drauf hab ich es wieder bekommen
(und sogar mit einem Zettel der Zollbehörde drin, dass sie mal nen Blick
drauf geworfen hätten, aber geklaut haben sie nix, die guten Jungs von
Heimatfront). Die Gastfamilie von Teyna ist bombastisch und versorgt uns mit
allem was wir brauchen: Gutes Essen, Amerikanisches Bier (Es gibt "Becks
Dark" hier, brrrrrr), Katzen zum Kraulen und einer liberalen Einstellung
("Jeb Bush ist nach Indonesien gereist, um dem Opfern des Tsunamis zu
helfen, da kann er hier wenigstens nichts in der Zeit kaputtmachen").
Also seid gespannt was uns noch widerfährt, wir fahren heut erstmal nach
Tampa, noch mehr Sonne tanken (20 Grad Baby!!!!)
Tshirt-tragend, Veeck
PS: Susi, die Ergebnisse deines Tipps lauten: Die zweite schon auf die erste
verschoben, dafür gestern nichts.
9-11. März 2005: Tampa
Nach 5 Tagen denke ich es ist schon an der Zeit, erste Bilder in das Land zu
schicken, wo in den Zoos die Tier nicht zu Patriotismusbezeugungen
herangezogen werden, wie in dem schönen Bild hier zu sehen ist.
Das dritte Bild wurde am Strand von Tampa aufgenommen, Clearwater um genau
zu sein. Ich werde es wohl nochmal besser zusammensetzen und dann auf meine
Webpage packen, genau wie die anderen Zeugnisse meiner Erkundungen. Passend
dazu: Macht es wirklich Spass das alles zu lesen? Unterhält es euch? Wäre
jemand so blöd dafür Geld zu zahlen? Denn wenn es mit meiner
Informatikkarriere und dem Friedensnobelpreis nix wird, wie wäre es mit
einer in der schreibenden Branche? Immerhin hat es dort auch eine Kategorie
in Stockholm, denn seien wir mal ehrlich: Mit meinem abgebrochenen
Chemiegrundkurs wird es in der Rubrik wohl nix und noch gibt es keine
Kategorie "Bester Name"!
One straight road
Nun, zurück zum Urlaubsablauf: Nach der Eingewöhnungszeit bei Teynas
Gastfamilie und einem halb-romantischen Geburtstagsessen bei einem Chinesen
(inkl. Zubereitung der Speisen vor einem auf nem Grill mit Jonglier und Eier
durch die Gegendwirbeln Einlagen) sind wir Dienstag nach Tampa aufgebrochen.
Auf dem nächsten Bild könnt ihr euch einen Eindruck davon machen, was ich 4
Stunden sehen musste, nur gelegentlich unterbrochen von kleinen Städten mit
FastFood und Baumärkten. Diese aufregende 4 Stunden Fahrt nach Süden nahmen
wir auf uns, da es dort noch wärmer sein und besseres Wetter als in Tallahassee
haben sollte. Pustekuchen, Mittwoch hat es aus Eimern geschüttet! Egal, dafür
gibt’s ja IMAX-Kinos und Museen.
Aber die Strassen hier: Gerade ist kein Ausdruck dafür, AM
GERADESTEN trifft es eher: Manchmal sieht man ja in Roadmovies eine Straße
die bis zum Horizont geht, diese werden jedoch meistens durch ein paar auf
und abs in der Landschaft unterbrochen. Nicht so die Strasse nach Tampa: Die
ist gerade UND flach UND nur ab und zu werden die Bäume auf der Seite von
ner Hofeinfahrt unterbrochen. Und das schlimmste: Das ist die sog. Scenic
Route, also die schönere Strasse, wie aufregend also die Interstate nach
Tampa ist, will ich garnicht wissen. Egal, Ami, die Tochter unser
Gastfamilie wohnt in Tampa, zeigte uns den Strand, lud uns zum Essen ein und
hat den knuddeligsten kleinen Kater der Welt. Donnerstag Abend ging’s auf
der gleichen nervenzermürbenden Strasse wieder zurück, nur unterbrochen von
einem Ausflug in den Zoo, der Seekühe zur Beobachtung anbietet. Und wieder
wurde ein Klischee bestätigt: Florida ist das Land, wo alte Amerikaner zum
Sterben hinkommen. Nicht dass wir einen haben von uns gehen sehen, aber wir
waren dort mit Abstand die jüngsten im Zoo (vielleicht noch ein paar der
Tier, aber wer weiß dass schon bei den Falten, die die Seekühe haben). und
überall sind Trailerparks mit Wohnmobilen zu sehen (keine gelben
Nummerschilder).
Patriotic bird
Back to Business ist jetzt wieder in Tallahassee angesagt: Teynas Prof ist
wieder im Lande mit einem Tag Verspätung, da die Immigration in Charlotte
bei ihm so lange gedauert hat, dass er den Flieger verpasst hat, den ich
gerade noch so mit laufendem Motor erwischt hab.
Noch schnell die Chance ausgenutzt und ins Kino gefahren und
was erwartet uns in den kommenden Monaten: Eine Neuverfilmung von
Hitchikers Guide to the Galaxy! Amerikan Style mit MosDef und Kolossalsets
laut Trailer (http://hitchhikers.movies.go.com/main.html). Wer denkt noch,
dass das nix wird? Alle? Dachte ich mir! Ausserdem wird gerade Ice Age 2 gemacht, vor "Robots" lief ein
ScratchTeaser. Robots an sich ist aus einer Effektperspektive super, die
Story aber zu dünn um ihn wirklich grossartig zu machen. Für 6 Dollar
(Schluck dass Cinemaxx!) ein guter Sonntag-Abend, aber aufgepasst: Immer
vorher fragen, ob das verkaufte Popcorn auch mit Zucker zu haben ist, denn
hier haben sie nur salziges! Bäh! Also 3 Dollar zum Fenster
rausgeschmissen, was aber mit 9$ immer noch zu verkraften ist.
Jetzt gehts ab in die Stadt (wenn die so überhaupt zu nennen ist, hier hats
Strassen und Geschäfte aber keine Downtown an sich) und ich erkundige mich
beim ComputerDepartment nach PHD-Möglichkeiten.
Drückt die Daumen, ich drück euch!
Grüsse, V
11-14. März 2005: Mobile, Alabama
Freunde der deutschen Esskultur, momentaner Aufenthaltsort: Mobil, Alabama,
Südstaatenterritorium des Lands der unbegrenzten Autostrassen zu berichten.
Unbegrenzt ist in der Tat das richtige Wort für die Strassen hier, da ich
auf dem Weg in das Starbuck Kaffee, in dem ich diese Email schreibe, einen
Highway überkreuzen musste. Dummerweise gibt es nun mal keine Bürgersteige
hier an jeder Strasse und erst recht nicht am Airportdrive wie die Strasse
hier heißt. die mich über die Interstate in das geliebte Kaffeeland bringen
sollte. Also folgte ich den lokalen Gebräuchen und ging die 50 Meter über
die Brücke auf dem Standstreifen, 30cm feinster Asphalt direkt neben der
Hauptstrasse. Keineswegs rebellisch das ganze, da mir ein älterer Mann
entgegen kam und wenn dieser es mit seinen Reflexen schafft, dann ich erst
recht mit meinen jungen Beinen und Sehnen.
Junkyard or Art?
Jetzt sitz ich hier also und denke drüber nach, ob wie ich wirklich 3 Jahre
hier verbringen kann. Es ist definitiv kein Land in dem ich meine Kinder,
sollte ich jemals jemanden schwängern (und was bis jetzt auch nicht passiert
ist), großziehen will, zu sehr bin ich dann doch von meinen Eltern
europäisch erzogen worden und verabscheue die Breite in diesem Land.
Strassen sind breit, die Orte sind breit, die Leute natürlich erst recht,
ABER Mädels, solltet ihr nach Amerika reisen, dann fühlt euch nicht schon in
der ersten Woche breit und dick, da, so meine Beobachtung hier, alle
Toilettenschüsseln in den Waschräumen dieser Nation kleiner als ihre
europäischen Vettern sind. Wenn euch also eure Hinterteile beim ersten
Klobesuch fett und die Sitzhaltung unbequem vorkommen, dann seid ihr es
nicht, die zugenommen habt. Warum sich die amerikanischen Verbraucher- und
Antidiskriminierungsorganisationen noch nicht vor dem SupremeCourt darüber
aufgeregt haben, ist mir ebenfalls ein Rätsel!
Ok, warum nun Mobil? Teyna besucht hier eine Konferenz und da uns unsere
Zeit kostbar ist, fuhr ich mit. Zur WelcomeReception und Keynote war ich
zwar nicht eingeladen, aber da ich mit einer Teilnehmerin auf regulärer
Basis schlafe, habe ich mich frech mit eingeladen und Essen und Trinken
abgestaubt. Es ist eine recht kleine Konferenz und so wurden wir alle noch
zum Haus des Co-Chairs Kathy eingeladen, die auch für das Buffet der Welcome
Reception verantwortlich war und als sie merkte, dass sie zuviel bestellt
hat, alle noch vorhandenen Teilnehmer aufforderte sich HamSandwiches zu
schmieren und alles mitzunehmen weil es sonst weggeschmissen werde. Dies führte
zu einem Engpass an Plastiktüten, da nicht nur wir (8 Leute), sondern
anscheinend alle auch für die nächsten Tage ihre Mittagessen auf Vorrat
mitnahmen. Unser selbstgemachtes Frühstücksbuffet heute morgen war
dementsprechend üppig und natürlich 100% aus gestrigen Resten
zusammengestellt.
Swamp impression
Die Keynote war nebenbei interessant und gab dem Softwareentwickler in mir
zu denken: Zu selten werden bisher Forschungsergebnisse aus dem
Lehrforschung und ähnlichen Gebieten in die Informatik mit übernommen und
eingearbeitet. Deshalb die Frage an euch ITler: Womit denkt ihr werden
bessere Ergebnisse erzielt: Wenn man z.B. bei einem Tutorial nur Texthilfen
einblendet oder wenn man das ganze einzig als Audio vorspielt? Die Antwort
im nächsten Brief.
Bis dahin verbleibe ich grüßend und nachher bei 22 Grad in den Hotelpool
springen, WildBillHickHockVeeck
PS: Susi: 1
Nachtrag 1: Ok, ich bin noch nicht am Pool, sondern in einer Sportsbar, wo
ich neben einem Bier eine Auswahl an Cheesesticks und danach eine kleine
Menge an Barbecue SpareRibs verdrücken werde. Life IS good. Dazu läuft im
Hintergrund NCAA Basketball, ich habe neue Schuhe, Jackass und SCATWOT auf
DVD und gemerkt, dass dies als Konsum ausreichend ist. Eigentlich sollte
hier noch eine Kritik am Konsumverhalten der westlichen Zivilisation stehen,
aber da ich selber heute daran teilnahm, muss diese wohl noch mal
überarbeitet werden.
Nachtrag 2: Sonja, alles Gute zum Geburtstag, sorry, dass es ein bisschen zu spät
ist, aber hier in der amerikanischen Zeitzone ist ja noch der 12. ;-)
Nachtrag 3: Der Pool war eiskalt!!
Nachtrag 4: Susi, 2
15-26. März 2005: Tallahassee
Wenn das Wetter ein Anzeichen sein soll, Freunde der Hobbymeterologie, ob
die Stadt Tallahassee mich mag oder nicht, so scheint es, dass Tallahassee
eine Frau ist und schwere Gemütsschwankungen aufgrund von zyklisch
wiederkehrenden Körperfunktionen hat: Am Samstag Sonne satt, Sonntag
bedeckt und heute abend regnet es aus einem so starken Gewitter heraus, dass
nur knapp an einem Tornado vorbeischrammt und den Abendhimmel strahlendhell
mit Blitzen erleuchtet.
Nun, jedes Wetter hat seine Vorteile, lasst sie mich aufzählen:
Samstag sind wir an den Wakalla-River (Rechtschreibung bei diesem Wort not
included) gefahren und haben uns ein Kajak zu zweit gemietet, um auf diesem
sumpfumgebenen Fluss, Tiere und Landschaft zu bewundern. Sven und Posti, ihr
dürftet euch noch an den einzigen anderen Kajakausflug erinnern, den ich je
mache:
Greatest Sunset Ever
Bodensee in den 90ern, 3er Männerurlaub, 5 Minuten, die wir versuchten ins
Kajak zu kommen und in nassen Klamotten und ebenso durchweichten,
intelligenterweise mitgenommenen Geldbörsen endeten. Nun,
diesmal war ich schlauer und geschickter und habe weder meine Brieftasche
mitgenommen noch direkte Bekanntschaft mit der Wasseroberfläche gemacht.
Ausbeute des Paddelns waren zig Wasserschildkröten (scheu und nur bis auf 2
Meter annäherbar), ein Minikrokodil (nicht so scheu, auf 50 cm annäherbar,
aber dafür hat dieses wohl auch schärfere Zähne, ein stärkeres
Bewusstsein über diese und evtl sogar einen stärkeren Appetit auf
Tourizähne) und ein Muskelkater bei Teyna.
Sonntag sollte unser Ausflug an den Strand stattfinden, der zwar stattfand,
aber braun werden konnte man nicht, es sei denn man hätte in seinem
Autoanhänger ein Solarium eingebaut (wobei ich glaube dass einige der
Trailer die hier rumfahren sogar zwei Solarien drin haben plus eine Sauna
für 5 Personen). Ausbeute dieses Tages war ein unglaubliches gutes Essen in
einem Fischrestaurant (in welches ich unsere Gastfamilie einlud) sowie ein
noch unglaublicherer Sonnenuntergang, welchen ich grosszeugigerweise und
fotografisch unbearbeitet, wie ich anmerken möchte, anhänge.
Nun, heute habe ich meine Gastfamilie (und Teyna natürlich) noch einmal
verwöhnt, diesmal mit einem Gericht, was einige von euch schon zu fürchten
gelernt haben: Chili Con Carne (bzw Sine für Teyna). Das Schwitzen lässt
einen den Regen draussen vergessen und annehmen, man wäre in der
Mittagshitze von MexikoCity und alle Eiswürfel wären des Landes verwiesen
worden.
The Oven from Hell
Apropos Kochen: Kauft euch keine Sears-Herde in Amerika. Folgendes passierte
mir, als ich Cookies backen wollte, die hier absolut idiotensicher im
Supermarkt zu kaufen sind. Das man nur die Packung aufzureissen hat und man
den darin enthaltenen Teig noch mit etwas Milch anrühren muss, hat der eine
oder andere ja schon in Deutschland gesehen bzw sogar selber gemacht, wenn
die Zeit bis zur Geburtstagsparty des besten Freundes etwas knapp war. Diese
Cookies, Freunde der Hausmacherkunst, gehen einen Schritt weiter: Man
musste diese nur noch aus der Packung nehmen, auf ein Blech legen und ab in
den Ofen für 15 Minuten. Das wars! Nichts beizugeben oder anzurühren.
Vorportionierte, backfertige Teigstücke, mehr ist nicht zu tun. Der letzte
logische Schritt ist eine Verpackung, die auf Knopdruck den Teig bäckt und
die Kekse ausspuckt.
Doch zurück zum Herd: Alle Vorbereitungen waren erledigt, was also Schere
nehmen, Packung aufschneiden und Teigstücke auf dem Blech verteilen
beinhaltet. Nur noch den Ofen auf 350 Grad Fahrenheit vorheizen, was
aufgrund des Displays mit all den tollen Knöpfen, welches mehr an eine
Konsole aus Raumschiff Enterprise als an eine irdische Kochstelle denken
lässt, auch kein Problem ist: Vorheizen auswählen, Start drücken und
warten. Das im Display angezeigte "Preheat" erlosch dann auch nach wenigen
Minuten mit einem lieblichen "Ping!" um zu zeigen, dass der Ofen bereit war,
die Kekse aufzunehmen. Das war er wohl nicht wirklich, denn um schon das
Ende vorwegzunehmen: Wir backten letztendlich die Kekse im Ofen der
Nachbarin, einer liebenswerten älteren Urugayanerin, die mich nun zum
Spanischlernen jederzeit willkommen heisst. Denn das Problem, welches nach
dem Vorheizen auftrat, war: Die Tür des Ofens, die elektronisch
verschlossen wird, ging ums Verrecken nicht mehr auf!
Alles was der Ofen anzeigte war ein Fehlercode im Display (zur Info: E1F3),
der von der Servicehotline nicht interpretiert werden konnte, die im
übrigen ausser einen kostenpflichtigen Mechaniker zu schicken (der heute da
war und eine 200$ Reparatur veranschlagte) als Hilfe nur anbieten konnte,
dem Ofen einfach mal den Saft abzudrehen und quasi einen Reboot vorzunehmen!
Das hat auch nix geholfen und die Strg-Alt-Delete-Taste hab ich auch nicht
finden können! Eine elektrische Türverriegelung in der Ofentür, wer immer mit dieser Idee
aufkam, hat seine Erfindung nie benutzt. Die Kekse waren im übrigen gut!
Sentimental, I know
Jetzt zum sentimentalen Teil der Email, da ich nun schon von einigen von
euch die Frage gestellt bekommen habe, ob ich jetzt für immer hier bleibe:
Nein, noch nicht. Diesen Donnerstag flieg ich wieder zurück nach
Deutschland und werde wie gehabt bei Haufe weiterarbeiten. Wie lange weiss
ich aber noch nicht, denn einen Job fand ich hier (noch) nicht, die
Greencard ist weiter in der Schwebe (bei einer Chance von 5%, dass ich
überhaupt eine bekomme) und an der Uni muss ich mich noch erst bewerben.
Erster Schritt zu letzterem ist der sog. TOEFL-Test morgen, den ich wohl
auch ohne zu lernen bestehen werde. Aber auch wenn ich von der Uni
angenommen werde, so gehe ich darauf nur ein, wenn die Finanzierung stimmt,
will heissen, dass ich mich nicht verschulden muss, um mein Doktorstudium
abzuschliesse (und ich Mutter und Vater nicht schon wieder auf der Tasche
liegen muss, schliesslich freut sich Vatern schon auf den Ruhestand und
darauf, Muttern in einen Flieger nach Peking zu schleifen).
Schwere Entscheidungen stehen also noch an und ich weiss selber nicht wohin
es gehen wird, bleibt gespannt, auch auf mein vorläufiges
TOEFL-Testergebnis, welches ich morgen gleich nach dem computergesteuerten
Test erfahre.
Bleibt sonnig, Veeck
PS: Susi, Teyna hat mir das Zählen verboten!
PS: Shout out to Andre B for going to Marburg! Talside rules!