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Forever Bongo Flava

Der Rhythmus von Tansania

when März 2007

where Morogoro, Tanzania

what Workcamp mit IDEM

Prolog

Sunset in Mikumi National Park

Was drei Wochen in der winzigen ELU-Schule in der kleinen Stadt Morogoro in dem unbekannten Land Tansania auf dem riesigen Kontinent Afrika verändern würden, konnte ich nicht ahnen und habe ich bis heute noch nicht verstanden.

Einleitung

Wenn man Grimms und anderen Märchen glauben darf, so stehen am Anfang jeder guten Geschichte mit Happy End zwei gegensätzliche Dinge, die am Ende trotz aller Widrigkeiten in Form von Schwiegermüttern, mutierten Tieren oder einfach entgegen jeglichem guten Geschmack zusammen finden. Auch diese Geschichte, die ich euch erzählen will, hat zwei verschiedene Komponenten, die nicht jedermann Geschmack sind, aber schon damals auf Wibkes Party, wo das folgende Geschehen seinen Ursprung fand, konnte ich ungeduldiger Mensch es nicht erwarten, diese zwei erst am Ende der Party zusammenzubringen. Ihre Namen waren Wodka und Tonic, und als sich diese beiden Stoffe vereint in meinem Glas wiederfanden begann zufällig auch die Party an Fahrt aufzunehmen und die folgende Geschichte ins Schlepptau zu nehmen.

Guess the Michael Jackson Song

Jene nicht nur wegen meines Alkoholkonsums an diesem Abend denkwürdige Party wurde, wie schon am Rande erwähnt, von Wibke veranstaltet, ebenso wie ich Mitglied im Hospitality-Club, kurz HC. Der HC ist eins dieser Netzwerke in den Weiten des Internets, in dem sich Leute finden und treffen können, die das gleiche Ziel haben, in diesem Fall reisen und neue Leute kennen lernen. Deshalb lud Wibke auf ihre Party nicht nur Freunde und Verwandte ein, sondern auch alle HC-Mitglieder, egal ob sie aus Freiburg stammten oder gerade zufällig in der Stadt waren. Der HC verbietet sich nebenbei, als Dating-Webseite angesehen zu werden, was aber von den darüber entstandenen Beziehungen oft und somit eindrucksvoll widerlegt wird und intern deshalb als der beste HC-Witz überhaupt angesehen wird.

I dreamed of Africa

Nun traf ich also, mittlerweile mit meinem zweiten Wodka-Tonic in der Hand, auf Julianna, mit der ich ins Gespräch kam, zuerst über das übliche, was man denn gerade so tut, dann über das zweitübliche, wo man denn schon überall in der Welt war, dann das drittübliche, was man denn so als nächstes vorhat. Und da erzählte sie mir über ein Workcamp, welches die von ihr mitgegründete Organisation IDEM auf die Beine stellen und im März in Tansania stattfinden würde, wo sie vorhatten ein Schulgebäude zu errichten. Mit nicht mehr als diesen wenigen Informationen versehen war ich dennoch angefixt von der Idee und da ich schon damals wusste, dass ich zu diesem Zeitpunkt auf keine Fall etwas besseren mit meiner Zeit anstellen könnte, gab ich ihr meine email-Adresse und war gespannt, was da auf mich zukommen würde.

Folgt mir also auf dem Weg von diesem Happy Start zu dem Happy End jener Geschichte, welche mir das Schicksal an besagtem Abend zusammen mit den Drinks bescherte, und auch wenn ich euch keine Heirat am Ende bieten kann, so doch wenigstens ein paar kitschig-sentimentale Worte, die ihr mir verzeihen mögt.

Das Workcamp

Waiting to fly

Es begab sich somit am 30. März im Jahre 2007, dass eine Gruppe von Leuten ausging, in Tansania ein Schulgebäude zu errichten. Die meisten von uns hatten sich schon bei einem Vorbereitungswochenende in der Schweiz, wo IDEM seinen Sitz hat, zum ersten mal getroffen und beschnuppert, und dort erfuhr ich auch zum ersten Mal etwas mehr über das Projekt.

Der Ort unseres Einsatzes war Morogoro, eine Regionshauptstadt 200 Kilometer im Landesinneren von der Haupstadt Tansanias, Daressalam, gelegen. Dort gibt es seit dem Jahre 1997 eine Grundschule, die von Erasto Luanda eigenfinanziert gegründet worden war. Damals startete er mit drei Schülern, denen er im Gegensatz zu den staatlichen Schulen auch Englisch beibrachte und das ebenfalls entgegen den Gepflogenheiten ohne den Einsatz von Stock und Stab. Mittlerweile sind es jedoch mehr als 300 Schüler geworden, die Erasto mit seinen Lehrern unterrichtet, und so platzt der momentane Speisesaal der Schule aus allen Nähten. Die momentane Lösung für das Platzproblem besteht darin, in Schichten das Frühstück und Mittagessen zu sich zu nehmen, zuerst isst die erste Klasse in 5 Minuten, danach die zweite und so weiter. Ziel war es nun das Fundament für einen größeren Speisesaal zu legen, denn mehr konnte man realistisch betrachtet mit bloßer Muskelkraft in den drei Wochen, die wir dort verbringen wollten, nicht erschaffen.

Look closely

Ihr stellt euch nun vielleicht die Frage, wieso es dann unbedingt Leute aus Europa braucht, um dort unten ein Haus zu bauen, schließlich gibt es in Tansania genug Arbeitskräfte. Stimmt, es braucht uns nicht, und es wäre vielleicht finanziell effizienter, das Geld, das wir für die Flüge ausgaben, besser direkt an die Schule zu geben. Doch würde damit nicht der Eindruck entstehen, der weiße Mann würde das Geld spenden und sich nicht weiter darum kümmern? Ist es nicht auf einer sozialen Ebene wirkungsvoller, wenn wir sehen wie das Geld verwendet wird und die Tansanesen sehen, dass wir auch schuften können? Ist es nicht ökonomisch sinnvoller das Geld für das Baumaterial hier in Europa zu sammeln und dort unten in den Wirtschaftskreislauf zu geben anstatt hier Maschinen zu kaufen, die dort unten keiner bedienen kann? Schließlich will IDEM nicht Workcamps auf Teufel komm raus organisieren, sondern an erster Stelle steht das Ziel, jungen Menschen Impulse zu geben und sie Eigeninitiative entwickeln zu lassen. Und dies bezieht sich nicht nur auf uns Workcampteilnehmer, sondern auch auf all die, denen wir dort unten begegnet sind und denen wir von unserer Arbeit berichteten.

Excitement

Nach diesem kleinen Ausflug ins ideologische zurück zu den echten Flügen: Es trafen sich somit Ende März um die 20 mehr oder wenige junge Leute in aller Herrgotts frühe am Frankfurter Flughafen um nach Daressalam zu fliegen, wo uns neben Julianna auch Fiorina erwartete, die die eigentliche Organisatorin des Workcamps war.Neben mir altem Sack waren in der Gruppe noch eine Dame namens Ingeborg, die meiner Altersklasse angehörte (wenn diese denn die Jahre 30 - 42 umfasst), ebenfalls per Zufall dazu kam und genauso ihren Jahresurlaub dafür opferte, dem deutschen Alltagstrott zu entkommen. Dazu kamen noch einige Studenten und Studentinnen und solche, die es bald werden wollen, und ein paar Schüler, von mir liebevoll "Die Jungs” genannt. Wie man sich denken kann, waren das allesamt Leute, die keinerlei Ahnung vom Häuser bauen hatten, diejenigen, die noch am ehesten Erfahrung in der Richtung hatten waren der Schweizer Schreiner Raffael und Lukas, der ähnliches schon in seinem FSJ in Palästina tat, aber mittlerweile Sozialwissenschaft studiert. Großartige Aussichten, nicht wahr? Internationaler wurde die Truppe durch Nami, eine wahrhaft zauberhafte Japanerin, die extra für diesen Trip englisch gelernt hatte, aber immer noch dankbar über jede Nachhilfestunde darin war. Des weiteren waren da noch Teddy, Tansanesin und später meine Tochter-Ehrenhalber, sowie vier Kenianer, die im Verlauf der zweiten Woche zu uns dazustiessen.

Und es begab sich danach, dass die Gruppe durch Städte und Dörfer zog, denn es war kein Direktflug von Frankfurt aus nach Morogoro, sondern wir mussten zuerst in Amsterdam umsteigen und noch eine Zwischenlandung am Kilimandscharo machen, wo einige zum ersten Mal afrikanische Luft schnuppern durften, als sich dort die Flugzeugtüren öffneten, bevor es in die Hauptstadt Daressalam weiterging. Und wie ich es schon in Asien so oft erleben durfte, zeichnete sich auch die Luft dieses Landes durch eine hohe Luftfeuchtigkeit aus, gepaart mit ebensolch hohen Temperaturen und nur dem Versprechen, dass irgendwann auch mal Filter in die Industrieanlagen eingebaut und der Müll nicht einfach auf der Straße verbrannt wird.

Beach Boy

Unsere erste Nacht verbrachten wir dann im Walddorfkindergarten von Daressalam, wo wir nicht nur von Julianna, die ich wohl aufgrund meines damaligen Wodka-Tonic-Nebels nicht sofort wieder erkannte, sondern gleich auch von den ersten Moskitos begrüßt wurden. Gegen letztere setzten wir uns tapfer mit Spray und Netzen zur Wehr, bei Julianna und ihren morgendlichen Weckappellen mit Gesang und Gitarre in den nächsten Wochen mussten wir uns jedoch immer wieder geschlagen geben. Ausgeruht vom Flug gab es am nächsten Morgen das erste Frühstück mit einer lokalen Spezialität: Chapatis, die fettigsten Pfannkuchen, die man sich vorstellen kann, die zwar lecker aber sehr schnell an der Hüfte abzulesen sind. Erste Kontakte mit der lokalen Bevölkerung knüpften wir am Strand, als wir auf eine Gruppe von Kindern trafen, die wir schnell zu Wettkämpfen und Schwimmunterricht überreden konnten, den dort ist es keineswegs selbstverständlich letzteres beigebracht zu bekommen. Nach dem obligatorischen Gruppenfoto am Strand machten wir uns auf den Weg nach Morogoro, wo wir im alten Wohnheim der Schule für die Dauer unseres Aufenthalts unter kommen sollten.

Diese und alle weiteren Fahrten bewältigten wir mit dem Schulbus von Erasto, da die Kinder der Schule zu der Zeit Ferien hatten. Jedoch war der Bus zwar für 35 Leute ausgelegt, aber nicht für das Gepäck von 35 Leuten, so dass die hinteren beiden Sitzreihen komplett mit unserem Gepäck ausgefüllt wurden. Als wir nach zwei Stunden Fahrt auf dem Hof unserer Unterkunft ankamen, war insbesondere Lea überglücklich, da die Arme aufgrund des entstandenen Sitzplatzmangels es sich während der gesamten Fahrt oben auf dem Gepäck mehr oder wenig bequem machen musste. Begrüsst wurden wir unter anderem von Jose, der Masai des Hauses, der in meinen Augen der tödlichste Hausmeister der Welt ist, schließlich ist diese Kriegerkaste nicht nur berüchtigt für ihren überlebensinstinkt in der Savanne, dieser hier konnte auch Glühbirnen und Abflüsse reparieren.

Bauarbeiten

A real lady

Wie schon erwähnt, waren bis auf eine Ausnahme nur Hausbaulegastheniker mit nach Tansania gekommen, so dass wir auf die lokale Wissensresourcen zurückgreifen mussten, als wir montags zum ersten mal die Baustelle betraten bzw. den Ort, der einmal die Baustelle werden sollte. Denn wie wir feststellen mussten, war zwar ein Grundriss des neuen Speisesaals, aber wo denn letztendlich der Grundriss vom Papier in der realen Welt landen sollte, war zu diesem Zeitpunkt noch nicht mal dem Bauherren klar. Angeleitet wurden wir von Mr. Kinse, dem angeheuerten lokalen Baumeister, der unsere Legasthenie zwar mit seinem großen Erfahrungsschatz über Hausbauen (afrikanischer Art) ausgleichen konnte, aber mit seinem nicht vorhanden englischen Wortschatz das kommunizieren angesichts unserer nicht vorhanden Kisuaheli-Kenntnissen über solche Themen wie Maurertechniken erschwerte.

Well-deserved rest

Nachdem also geklärt war, wo genau das neue Gebäude hinkommen sollte, ging es mit dem los, was wir Deutschen am besten können: Zerstören und Demolieren. Denn dort, wo im nächsten Jahr die Schüler ihre Mahlzeiten zu sich nehmen werden, standen etliche Sachen im Weg, so das zuerst das Umpflanzen eines Blumenbeetes, das Umsetzen eines Wasserkrans und das Abreißen eines Sonnendaches auf dem Plan standen. Letzteres war jedoch so locker im Erdreich verankert und das Wellblechdach mit so wenig Nägeln befestigt, dass es uns kaum Schweißperlen auf die Stirn zauberte, ganz im Gegensatz zu der brennenden Sonne. Einem deutschen Statiker vom Bauamt hätte es jedoch sicherlich Angstschweiß auf die Stirn getrieben angesichts des anscheinend unerschütterlichen Gottvertrauens der Erbauer in das Ausbleiben von Windstärken größer 5 in Tansania.

Diese Hindernisse aus dem Weg geräumt ging es nun daran, Pfosten zu setzen, um mit dazwischen gespannten Seilen die auszuhebenden Gräben für das Fundament kenntlich zu machen. Und mit einer traumwandlerischen Sicherheit schaffte es gleich einer der ersten Pfosten so in die Erde gesetzt zu werden, dass er das Leitungsrohr zu gerade erwähntem Wasserhahn formidabel und absolut mittig traf. Der sich daraufhin bildende neue Gartenspringbrunnen war zwar nett anzusehen, jedoch war er zu hinderlich für die folgenden Arbeiten als dass er hätte weiter bestehen dürfen. Eine Stunde und verschiedene Flickversuche später war dieses Problem leidlich gelöst, nur ein ganz kleiner Sickerstrom begleitete von nun an noch unsere Bautätigkeiten.

Schwund ist immer

Insgesamt war das Bauen geprägt von Einfachheit und Improvisation. Zuallererst gab es keinerlei Maschinen, die uns zum Beispiel das Grabenausheben oder Zementmischen hätten abnehmen können. So mussten wir selbst Hand anlegen und den trotz Regenzeit trockenen (aber zum Glück steinarmen) Boden 60 Zentimeter tief, 30 Zentimeter breit und auf insgesamt 120 Meter Länge ausheben, was uns die ganze erste Woche beschäftigte. Es wäre wohl etwas schneller gegangen, hätten wir nicht ein oder zwei (dutzend) der danach noch zu grabenden Löcher für die Eckpfeiler wieder zuschütten müssen, da ganz nach Afrikanischer Art der Bauplan an manchen Stellen etwas ungenau beschriftet war und somit die Massangaben viel Spielraum für Interpretationen ließen. Nur zu verständlich, dass wir nach dieser anstrengenden Arbeit in allen Positionen und Orten unseren Mittagsschlaf halten konnten.

Die Schaufeln wurden in der zweiten Woche dann von den Eisenträgern abgelöst, die als Pfeiler in den Gräben das Fundament stärken sollen (denk ich mir so mal als blutiger Anfänger). Was man hier wahrscheinlich fertig im Baumarkt kaufen kann, mussten wir aber mühsam selbst herstellen: Also zuerst einen dicken Draht in vier Stücke sägen, einen mittleren Draht in sechs Stücke und einen dünnen Draht in viele kleine. Die vier dicken Stäbe wurden dann mit aus den sechs Drähten mittlerer Dicke hergestellten Vierecke verbunden, indem sie mit dem dünnen Draht daran befestigt wurden. Das ganze macht man dann nur 48 mal und fertig. Lasst euch nicht täuschen: etliche Zwischenschritte hab ich bei dieser Beschreibung noch außen vor gelassen.

Das Resultat unserer Arbeit

Kaum damit fertig wurden wir in unseres Annahme, dass das Graben am anstrengendsten ist, eines besseren belehrt. Denn nun folgte des Auffüllen der erst gerade ausgehobenen Gräben mit frisch gemischten Zement. Dieser musste auch händisch zusammengerührt werden aus zwei Säcken Zement, sechs Schubkarren Sand und zwölf Schubkarren Schotter, eine Arbeit für echte Männer (und auch Frauen) aber eine Mischung, die in Deutschland wohl kein TüV-Zertifikat bekommen hätte. Dieser Zement wurde dann in kleinen Schalen über eine Menschenketten zu den Gräben transportiert, wobei “klein” keineswegs mit “leicht” gleichzusetzen ist, wohl mit einer der Gründe warum wir am Ende des Camps fitter als jemals zuvor nach Hause kamen.

In der dritten Woche zogen wir die Grundmauern hoch, so dass am Ende unseres Workcamps eine schicke circa einen Meter hohe Mauer den Grundriss des Gebäudes abzeichnete. Im Herbst wird wieder eine Gruppe hinfahren um zu mithelfen, das Gebäude fertigzustellen, aber mehr zu den zukünftigen Arbeiten lest ihr aber im Epilog dieser Geschichte, deshalb nun weiter zu den kleinen Besonderheiten, die ein Land wie Tansania so anders machen. Denn sollte es euch also aus welchen Gründen auch immer einmal nach Tansania oder nach Afrika generell verschlagen, so solltet ihr euch auf jeden Fall auf einiges einstellen, vor allem in Bezug auf die Lebensgewohnheiten und die vorhandene Infrastruktur.

Infrastrukturelles

Exciting!

Wie in jedem Land, welches sich als Nicht-Westlich rühmen will, gibt es so gut wie keine öffentlichen Verkehrsmittel, die ein Durchschnittseuropäer ohne Angst betreten würde. So auch in Tansania, wo die einzige Möglichkeit von A nach B zu kommen entweder deine Füße (okay, die sind eine gute Fußpflege vorausgesetzt keinerlei Gefahr für einen), ein Taxi oder ein Dalla-Dalla ist. Letztgenannte sind das äquivalent zu unseren Buslinien, privat betrieben und nach einem sehr einfachen Prinzip aufgebaut: Es gibt ein paar Linien, die ziemlich alle in der Innenstadt an einem zentralen Platz enden. Auf diesen Linien fahren nun Mini-Busse aber ohne dass es einen festen Fahrplan gibt. Entweder kommt also ein Bus vorbei, auf den du aufspringen kannst oder halt erst später, was nebenbei ganz dem afrikanischen Leitspruch “No Hurry in Africa” entspricht.

Nacht über Morogoro

Die typische Besatzung eines Dalla-Dallas besteht dabei aus dem Fahrer und seinem Schaffner, der, wenn man einmal in dem Dalla-Dalla sitzt, sich damit Aufmerksamkeit bei dir verschaffen wird, indem er mit dem bisher eingesammelten Fahrgeld in seiner Hand klimpert. Dies ist dann das Zeichen für dich ihm ebenfalls 200 Tansanesische Schilling (umgerechnet zwölf Cent und das ist der Preis für jede Fahrt, egal wie weit) zu geben. Wobei es nicht immer leicht ist, einen Platz im Dalla-Dalla zu bekommen, denn eine Konsequenz dieser Fixpreise und der stetigen Konkurrenz ist, dass der Schaffner versucht, soviel Passagiere wie möglich auf einmal in den Bus zu quetschen. Absoluter Rekord während meiner Fahrten waren dabei 28 Passagiere in einem Bus, der in Deutschland wohl gerade mal für zehn zugelassen wäre. Fahrer und Schaffner waren dabei noch nicht mitgezählt und der mir zugetragene Rekord liegt bei 35 Passagieren. Je nach Laune der lokalen Gottheit könnt ihr dabei Schenkel an Schenkel mit einer afrikanischen Schönheit oder neben mit ihrer alten Mutter sitzen, die doppelt so viel Platz braucht und bei der ihr merkwürdigerweise nicht Schenkel an Schenkel hockt.

Ready for the trip

Eine weitere Unsicherheit des Alltags ist die Elektrizität, die sich launischer verhält wie der Niederschlag in der Regenzeit. Während letzterer die einigermaßen berechenbare tropentypische Dauer und Intensität hatte (sprich: kurz und heftig). hatte erstgenannte manchmal ihre Aussetzer, in der dann eine Nacht lang nichts mehr ging (zumindest nicht elektrisch betriebenes) und die Gruppe bei Kerzen- und Taschenlampenschein zusammen hocken durfte.

Vom medizinischen Standpunkt aus gesehen hatte die Gruppe mehr Glück, da wir keine schweren Ausfälle zu beklagen hatten. Die zwei Malariafälle sind in diesen Breiten als alltäglich anzusehen, nur die Typhus, die sich Anna einfing, war etwas überraschen, da wie meine Tropenarzt mir auch erst nach meinem Trip mitteilte, die Impfung dagegen nur prophylaktisch wirkt, das heißt die Symptome mildert. Mit den richtigen Medikamenten waren unsere Patienten wieder schnell auf den Beinen, aber hier sei auf unsere herausgehobene Stellung hingewiesen: Für uns mögen fünf Euro für Medikamente ein Klacks sein, das ganze sieht jedoch anders aus, wenn man weiß, dass zum Beispiel das monatliche Einkommen eines tansanesischen Lehrers 75 Euro sind.

Soziales

Kids watching, Adults dancing

Diese herausgehobene Stellung zeigte sich auch in der Art, wie wir in unserem Vorort wohnten: Nicht wie die meisten unserer Nachbarn mit der Tür direkt auf die nicht-asphaltierte Straße hinaus, sondern wir wohnten hinter einer Mauer mit schwerem Schiebetor, unter anderem, um nicht mehr aufzufallen als unbedingt nötig. Denn trotz aller Gastfreundschaft waren wir in manchen afrikanischen Augen wir immer noch die reichen Weißen, die man ausnehmen konnte, was nur bedingt stimmte, aber zum Beispiel auf dem Markt immer wieder versucht wurde, indem horrende Preise verlangt wurden.

Nichtsdestotrotz kamen wir täglich mit der lokalen Bevölkerung in Kontakt. Nicht nur weil wir beim Nachbarkiosk unsere Feierabendcola und bei der Milchmama nebenan unsere Frühstückmilch für den Tee kaufen gingen sondern auch weil die Lehrer der Schule ihre Ferien damit verbrachten, mit uns zu schuften. Genauer gesagt zeigten sie uns, dass sie mehr auf ihre Schaufeln packen können als wir. Diese körperliche überlegenheit erstreckte sich sogar auf die Lehrerinnen, die an Grazie unsere weiblichen und an Kraft uns männliche Teilnehmern locker überflügelten. Nie war dabei jedoch von einer Seite ein Konkurrenzdenken oder Neid zu spüren, vielmehr tauschten wir uns aus über alle möglichen Grenzen (Europäer und Afrikaner (und Asiaten), Männer und Frauen, Alt und Jung) hinweg aus, erlebten vieles gemeinsam und hatten insgesamt viel Spass miteinander.

Whitest kid in town

So tanzten wir alle noch einmal zusammen an unserem vorletzten Abend in Morogoro, als wir mit allen Lehrern, Helfern und Freunden des Workcamps unseren Abschied feierten. Erasto hatte extra dafür noch eine Musikkapelle organisiert, die mit ihren lokalen Instrumenten wunderbar zu der Tanzgruppe passte, die Erasto auch mal noch so nebenbei aufgetrieben hatte. Das ganze artete dann am Ende zu einem Massentanz in unserem Hof auf, in dem alle miteinander tanzten und die Musiker sich in Ekstase spielten.

German import

Apropos tanzen: An einem Freitagabend gingen wir mit den Lehren aus, die lokale Tanzszene mit europäischen Hüftschwüngen aufzumischen. Jedoch stellten sich hier die Einheimischen besser an und stahlen mit ihren Bewegungen uns allen die Schau, auch wenn wir uns vom Tanzfieber anstecken ließen und unser Bestes gaben. Und bevor ihr nachfragt: Die Fotos von mir beim Tanzen sind schon alle verbrannt oder gelöscht, um die Nachwelt nach der Wiedervereinigung von Take That und Modern Talking vor weiteren Katastrophen zu bewahren. Nicht zerstört sind jedoch die Bilder von den anderen bei der Theaterimprovisation, zum Beispiel Agnes und Simon in: "Vegetarier im Schlachthaus"!

Nur einmal verwandelte sich die Stimmung in einen verbissen geführten Kampf, als eine Gruppe von uns gegen eine Truppe einheimischer Studenten ein Fußballmatch spielte und grandios 2:0 verlor. Dies lag hauptsächlich an der unterdurchschnittlichen Qualität des Rasens und unseres Schuhwerks und in keiner Weise an unserer noch unterdurchschnittlicher Spielweise, die wir direkt von der Deutschen Nationalmannschaft aus dem Jahre 1996 abgeschaut hatten. Denn auch wenn wir am Spieltag zum ersten Mal in dieser Formation spielten, so floss doch in uns das gleiche Blut wie in unseren Nationalhelden Schweinsteiger und Podolski. Die Niederlage war somit in meinen Augen ein von Mutter Natur und FIFA abgekartetes Spiel, um dem Fußball in Afrika für die WM2010 Auftrieb zu geben.

Flora und Fauna

Sunset in Mikumi National Park

Das wohl längste Kapitel hätte ich wohl über die Natur dieses Landes schreiben können, denn es gab so viel zu sehen und zu bestaunen, dass selbst Darwin und Noah sich vor Freude nass gemacht hätten. Aber da Bilder mehr als tausend Worte sagen, bleibt dieses Kapitel Recht kurz, dafür jedoch reichlich bebildert. Sowohl vom Alphabet als auch bei einer Aufzählung von der kleinsten zur größten Kreatur vorne anzusiedeln wären die Amöben, welche mir nach Aussage meines Tropenarztes bis nach Deutschland gefolgt sind. Das sind harmlose kleine Racker, die aber keine negativen Auswirkungen auf mich haben. Die beiden Tiere auf der anderen Seite der Skalen, das Zebra und der Elefant, sind uns auch über den Weg beziehungsweise über die staubige Straße des Mikumi- Nationalparks gelaufen, den wir an einem Wochenende besuchten. Diese Safari unternahmen wir wieder einmal mit dem Schulbus als fahrbaren Untersatz, der angesichts dieser Aufgabe heillos überfüllt war.

Just visiting

Denn wir fuhren nicht allein sondern luden auch ein paar der Lehrer und Nachbarn ein, die es sich sonst nie leisten könnten, diesen Park zu besuchen. Man konnte schon ein wenig neidisch werden, wenn man die ganzen schicken 4-Rad-Jeeps der anderen Touristengruppen sah, die wohl-klimatisiert an uns vorbeifuhren und in denen nur die vorschriftsmässig ausgewiesenen Sitzplätze besetzt waren, aber mit der lokalen Bongo-Flavor-Musik aus dem alten Radiokassettenspieler des Busses fühlten wir uns keineswegs schlechter dran, sondern hingen wie kleine Kinder aufgeregt an den Scheiben des Busses, um keines der Tier zu verpassen. So sind mir noch folgende Tier vor die Kameraflinte gelaufen (und somit bildlich hier vertreten):

Ja, wir hatten Ratten und sie taten sich unter anderem gütlich in den, wohlgemerkt gebrauchten, Unterhosen der holden Weiblichkeit. Sehr zum Unmut der geschädigten Damen war nur eine der Ratten so berauscht von ihrer Beute, dass sie sich in eine der Mausefallen verlief. Das grausige Bild und Zeugnis der Effizienz dieser mit stinkendem Fisch bestückten mechanischen Todesmaschine kann hier angeschaut werden. Warum die Ratte den Fisch mit der Unterhose verwechselte, mag sich jeder selbst zusammenreimen, ich versteh es jedenfalls nicht angesichts des durchschnittlichen Schweissausstosses während unserer Arbeit.

An everyday view

Doch was wäre dieses Kapitel ohne Wiederholung der Zeilen, die ich in das von den Workcamp-Teilnehmern geführte Tagebuch geschrieben habe, in dem Tag für Tag jemand seine Gedanken schreiben konnte. Und dies schrieb ich nach einem wunderschönen Tag auf der Baustelle:

“Liebes Tagebuch, ich glaube, ich bin verliebt”. Ja, verliebt war ich, in das wohl flauschigste, aber zugleich schreckhafteste Wesen. Nein, ich lüge, denn schreckhafter waren Anna und Tobias (die sich vor besagtem Getier auf der Veranda fürchteten) und flauschiger war Agnes Haarpracht (die zum Abflug frisch vom Frisör kam) und mit der ich mir wunderschöne Rededuelle lieferte, wenn sie denn einem die Zeit ließ, etwas zu sagen (ich meine Agnes, nicht ihre Haarpracht). Jedoch an diesem Tag hätte ich mit ihren Haaren unterhalten können, denn beim Entrümpeln des Werkzeugschuppens, der in typischer Afrika-Manier nur getrennt von einer oben offenen Mauer direkt an die Küche grenzte, schreckte Agnes eine Ratte auf, die verstört von soviel Leben in ihrem kleinen Reich den Türrahmen hoch lief, oben angekommen jedoch das Gleichgewicht verlor und in jene flauschige Haarpracht fiel. Der darauf folgende Schrei war sicherlich noch in den Bergdörfern der angrenzenden Uruguru-Mountains zu hören. Zum Glück ist der Ratte nichts dabei passiert und sie hat diesen Ausflug zumindest ohne körperlichen Schäden überstanden. über eventuell aufgetretene traumatische psychische Schäden wissen wir jedoch leider nichts, da sie sich nach diesem Auftritt nie wieder hat blicken lassen. Schade eigentlich, so ruhig wie an diesem Morgen war Agnes danach nie mehr gewesen.

Kulinarisches

A normal day in the kitchen

Gleich eins vorweg: Die Küchenausstattung sowohl daheim im Hostel als auch in der Schule war genauso spartanisch wie die Ausstattung der Baustelle mit Baugeräten. Kein Herd, sondern Holzkohle und viel Kerosin mussten wir verwenden, um abends unser warmes Essen und morgens unseren heißen Kaffee zuzubereiten. Und ohne letzteren wäre die morgendliche Selbstfindungsphase (mit Fragen wie: “Wieso mach ich das? Welcher Muskel tut mir heute ausnahmsweise nicht weh?”) womöglich in einem Massaker der Koffeinjunkies unter uns gemündet.So produzierten wir vom ersten Tage an dank des von Raffael mitgebrachten Kaffeepulvers einen dauerhaften, wenn auch mit müden Augen morgens zubereiten Kaffeezufluss und erstanden sogar gegen Anfang der zweiten Woche einen Kerosinkocher, der die morgendliche Prozedur beträchtlich verkürzte.

Ich gebe zu, an den veränderten Speiseplan musste ich mich erst gewöhnen. Dabei meine ich jedoch nicht den in Tansania, sondern den, der mich nach meiner Rückkehr nach Deutschland erwartete. Ernährte ich mich drei Wochen gesund von Früchten und Gemüse, so schlug das europäische Essen mir derbe auf den Magen, beispielhaft und nur ansatzweise sei hier das Schnitzelbrötchen erwähnt, das nicht den normalen Weg durch meinen Verdauungstrakt ging. Zurück jedoch zu den appetittlicheren lokalen Gepflogenheiten der tansanesischen Küche:

Three ways to eat your dinner

Zum Frühstück gab es meist Toastbrot, Erdnussbutter und Früchte allerlei Art, denn das war die günstigste und schnellste Variante am Morgen Energie für den harten Tag zu tanken. Mittags wurde an der Baustelle gekocht, meistens Reis mit Bohnen sowie Früchten und Gemüse, abends gab es in der Unterkunft vom tagsüber daheim gebliebenen Küchen- und Putzteam meist später als geplant dann eine warme Mahlzeit nach Art des besagten Küchenteams. Diese fiel jedoch (für viele zu) häufig vegetarisch aus, da Fleisch teuer und zumindest das Rindfleisch zu der Zeit von einem BSE-ähnlichen Erreger heimgesucht wurde.

Ich als passionierter Hobbykoch hatte somit den Ehrgeiz, etwas besonderes abseits der Pasta und Reis-mit-Scheiß-Gerichte zu kochen. Mein erster Einsatz endete mit einer Gemüsesuppe und der Erkenntnis, dass selbst eine Suppe für 25 Personen durch Zugabe zweiter Pilli-Pillis, was die lokalen walnußgroßen Scharfmacherschoten sind, unerträglich scharf für 24 der Essenden wird. Ihr könnt euch denken, wer sie als nicht scharf genug empfand.

Look into my eyes

So wurde bei meinem zweiten Gericht, einem Chilli-Con-Carne (und einem kleine Topf Chilli-Sin-Carne), jegliche Pilli-Pilli außen vor gelassen und sich überlegt, welches Fleisch man denn nun verwenden sollte. Improvisation war angesagt, denn Rind war wie gesagt ein Unding, und Hackfleisch im generellen nicht zu bekommen. Es blieb also nur Hühnchen übrig, unkonventionell aber im Nachhinein ebenso lecker. Die einzige zu nehmende Hürde ergab sich durch den Umstand, das vorgefertigtes Hühnchenfleisch im Supermarkt durch besagte BSE-Krankheit rar und sehr teuer war. Aber welch bessere Legitimation gibt es für den eigenen Fleischkonsum als das verzehrte Fleisch selber zu schlachten? Keine, also begaben Agnes, Raffael und ich uns auf den Markt und erstanden drei wohlgenährte Hühner mit dem guten Gewissen, dass diese bis zum Tag ihres Todes frei über Mutter Erde laufen konnten ohne in einem Massenstall gehalten worden zu sein. Eine Taxifahrt mit den Hühnern im Korb, drei Halsschlagadernschnitte und einiges an Rupfen und Ausnehmen später hatten wir also unser Fleisch und die Legitimation Fleischesser zu sein. Dies jedoch sehr zum Entsetzen eines Teilnehmers, der erschrocken über unsere Aktion war, sich aber schon Tage zuvor auf die Cheeseburger im heimischen McDonalds gefreut hat. Ein Bild dieser Aktion und von Raffaels Arbeitseinsatz verbirgt sich hinter diesem Link, aber seid gewarnt, wenn ihr schwache Nerven habt.

Ein weiteres Beispiel des African Way Of Living ist die Unmöglichkeit an einem Samstag Abend ein Restaurant zu finden, welches mehr als zehn Leute gleichzeitig bewirten kann. Dies rührt daher, da aufgrund der generellen Infrastruktur Kühlschränke und Tiefkühltruhen nicht vorhanden sind und somit nur das in der Küche vorhanden ist, was man für den normalen Tagesbedarf braucht. Zwei Dutzend Weiße, die dann abends einfallen und Hunger haben, schmeißen den Plan somit völlig über den Haufen. Dann kriegt man nur noch so, zumindest mir sehr suspekte, Spezialitäten wie rechts zu sehenden Fischkopf, der der ebenfalls abgebildeten Fiorina sehr gut schmeckte trotz des ersten Eindrucks, den man von ihr haben könnte. Diese Speise wurde nur noch von der Fischsuppe übertroffen, die wir am letzten Tag kredenzt bekamen und aus der einen die Fischköpfe noch anschauten, was Eva zu dem Spruch veranlasste, als sie auf etwas hartes biss: "Das Auge isst man mit!”. Nach dieser Feststellung waren eine Dame, die ich aus Gründen der Diskretion ungenannt lassen will, und ich froh, unsere gefüllten Teller Raffael in die Hände drücken zu können, der einen größeren Appetit hatte (und wohl auch die besseren Zähne).

Aufräumarbeiten

cute AND smart

Die drei Wochen neigten sich langsam dem Ende zu und so auch unser Arbeitseinsatz, dessen letzten Teil, die Grundmauer zu ziehen, am Mittwoch der dritten Woche statt fand. Und trotz eines allerletzten Kraftaktes bis weit in den eigentlichen Feierabend hinein, um die Grundmauer zu komplettieren, langte es am Ende leider nicht ganz, so dass nun ein ganz kleiner Teil davon fehlt. Dies tat unserer Freude über das miteinander erreichte keinen Abbruch und wir freuten uns schon auf den nächsten Tag, an dem nicht weniger als eine Party mit den Schülern von Erasto an der Schule auf dem Programm stand.

Und ihr hättet ihre Gesichter sehen sollen, die strahlten vor Glück, fingen gleich alle zu umarmen und wären am liebsten nie wieder heim gegangen. Aber genug von unseren mitgereisten Damen, ich wollte ja von den Kindern erzählen. Die waren natürlich begeistert uns zu sehen, diese merkwürdigen weißen Menschen, die extra hierher kamen um ihre Schule mit aufzubauen. Wir teilten uns in Gruppen auf, die sich verschiedenen Aktivitäten hingaben: zum Beispiel Fußball spielen mit einem Ball und einhundert Kindern, Korbball spielen auf zwei Körbe von denen einer direkt an der Stelle steht wo der ganze Müll einfach abgelegt wird, Malen oder Faules Ei. Dazwischen gab es immer mal wieder eine Darbietung von Tanz und Musik von Seiten der Kinder, die uns leider wieder dazu zwang eine Demonstration eines deutschen Kirchenchorals zum besten zu geben, die schon zweimal zuvor eine schlechte Botschaft für das deutsche Liedgut in Afrika war.

Playing games

Doch auch dieser Nachmittag neigte sich einmal dem Ende entgegen und wir machten uns unter vielem Gewinke von den Kindern ein letztes Mal zurück zu unserem Hostel. Dort ging es ans Aufräumen und Einpacken, denn schon am nächsten Tag wollten wir uns für unsere letzten 36 Stunden an einen Strand vor den Toren Daressalams begeben. Erste Abschiedstränen flossen an diesem Abend und manch einer schlief erst gar nicht. Und wenn ihr euch an meine Hinfahrtsbeschreibung erinnert, in der die letzten zwei Sitzreihen mit Gepäck gefüllt waren und Lea quer darüber lag, so sei darauf hingewiesen, dass wir bei dieser Fahrt nun ein paar Leute mehr waren, da Erasto und unsere kenianischen Freunde auch mitfuhren. Ich kam mir aufgrund der Enge fast wie in einem Dalla-Dalla vor und als wir endlich am Strand ankamen, machte es erst einmal PLOPP als die ganze Truppe sich aus dem Bus pellte. Zuerst dachte ich, dass wir irgendwo vom Weg abgekommen, eine Schlucht herunter gestürzt, gestorben und gegen jede Vernunft im Himmel gelandet sei: weißer Strand, Palmen, Kokosnüsse, Bambushütten, blauer Himmel und perfekt temperiertes Wasser begrüßten uns an einem perfekten Nachmittag, der für alle Plackerei entlohnte.

Early in the morning

Am Ende des Tages saßen wir ein letztes Mal am Strand zusammen um über das zu Reden, was uns in den letzten drei Wochen alles begegnete und was man mit nach Hause an Eindrücken nehmen würde. Danach begann der langsam fortschreitende Auflösungsprozess der Gruppe, die, kaum dass sie sich gefunden hat, schon wieder auseinander gehen musste, denn Fiorina und Luzius mussten schon einen Tag vor uns fliegen. Manch einer konnte sie gar nicht gehen lassen und folgte den beiden bis in den Flughafen hinein. Diesen Abschiedsschmerz wollte ich mir nich antun und so blieb ich am Strand, wo trotz der einsetzenden Wehmut über das bevorstehende Ende des Urlaubs nun mit die schönsten 24 Stunden meines Lebens begannen: Mit mehr oder weniger vollem Bauch (ich erinnere hier an die Fischkopf-Speise aus dem kulinarischen Kapitel) aber ohne Stress saßen wir am Ende des Abends um das Lagerfeuer am Strand herum, erzählten uns Geschichten, sangen Lieder oder trugen andere Sachen vor, von denen eine hier abrufbar ist.

Under this big moon

Under this full moon of yours
I am scared to fall in love with you
as you greet me with your smile and smell
With nothing left for me to want
I fear the next day might even be better
Under this massive clouds of yours

Under this pouring rain of yours
all my fears are washed away
as my face shines with sweat and tears
Now I only fear I have nothing left to loose
but I know the next day will even be better
Under this everlasting sky of yours

Under these people of yours
I dance the night away with you
as I feel in my veins your beat and sound
Looking only forward to the next day
where more unknown beauty lies
Under this snow covered mountain of yours

Under this hot sun of yours
my last remaining fear has come true
as you embraced me with your warmth and soul
And all I have left is all that I need
to have your name forever written on my heart
Under these bright stars of yours

Dies ging bis spät in die Nacht hinein, so dass wir direkt am Strand einen seligen Schlaf finden konnten, ohne die speziellen 'Zigaretten' der einheimischen Vermieter unserer Bungalows heranzuziehen, die zu der Spezies von Bob-Marley-Verehrern gehörten, die anscheinend auf jedem weißen Strand dieser Welt in ihrer jeweiligen kulturellen Ausprägung (thailändisch, australisch, tansanesisch) zu finden sind.

Not a good-bye forever!

Frisch ausgeruht waren wir nicht, als unsere Augen sich dann wieder zur Zeit des Sonnenaufgangs um sechs Uhr in der Früh öffneten. Aber dieser war es wert, deshalb geweckt zu werden und weitab der Heimat den Morgen begrüßen zu dürfen in all seiner Wärme und Farben. Immerhin waren die Kühe der Hirten auch schon wach und machten ihr Morgenbad im Meer, glücklicherweise ein paar hundert Meter weitab von uns. Und mit keiner Arbeit zu tun außer Reis mit Bohnen und Kokosnüsse zu essen, machten wir uns daran, den anderen Abschiedsbriefe zu schreiben. Ich weiß, klingt kitschig, ist es aber nur, wenn du Kitsch schreibst. Ob ich dies tat, haben andere zu entscheiden, jedenfalls schrieb ich auch dem ein oder anderen meine Gedanken, und auch wenn es in der Gruppe während der Zeit zu Spannungen kam, so waren all diese an jenem Tag am Strand vergeben und vergessen. So machten wir uns abends ein letztes Mal mit dem Schulbus auf den Weg zum Flughafen, wo wir uns von Erasto verabschieden mussten, wobei einige schon damals sagten, dass sie wieder kämen. Mit gemischten Gefühlen, was uns daheim erwarten würde, stiegen wir also abends in das Flugzeug, um am nächsten Morgen in unserer Welt wieder aufzuwachen, die einigen von uns auf einmal so fremd vorkam. Das was bis vor kurzem vertraut vorkam, erschien nun einmal lauter, hektischer, unfreundlicher, fremd, grau. Was diese drei Wochen nicht nur in der winzigen ELU-Schule in der kleinen Stadt Morogoro in dem unbekannten Land Tansania auf dem riesigen Kontinent Afrika verändert hatten, sondern wie sie auch mich verändert haben, das sollte mir erst jetzt klar werden.

Epilog

Not here, not there

Mittlerweile sind wir nun schon längere Zeit wieder daheim, alle wohlbehalten nebenbei, keiner der Kranken hatte irgendwelche Nachwirkungen davongetragen. Nur manche hatten noch beim Umsteigen in Amsterdam den Afrikan Style so sehr intus, dass sie den Flug nach Frankfurt verpassten, und ich verdanke nur meinen langen Beinen und den daraus resultierenden großen Schritten, das sich erst eine Sekunde hinter mir die Tore des Abfluggates schlossen. Aber, um wieder den auf uns übergegangenen Afrikan Style heranzuziehen, Lukas und ich entschlossen uns, Zeit Zeit sein zu lassen und auf die Nachzügler in Frankfurt insgesamt zehn Stunden zu warten. Den Aufenthalt verkürzten wir, indem wir die Eltern und Freunde der anderen mit unseren Bildern und Bildern unterhielten, so wie ich euch hoffentlich nicht gelangweilt sondern mitgenommen habe auf meiner kleinen Reise ins Herz Afrikas.

Dabei habe ich hier nur einen Bruchteil dessen erzählen können, was uns passiert ist. Sachen wie das Eiermalen zu Ostern, der Gospel-Gottesdienst, das Drama um den kleinen Hund und tausend andere Geschichten sind nur mehr Erinnerungen in den Köpfen der Teilnehmer und verblassen vielleicht eines Tages wie die Bilder die wir in unseren Fotoalben haben. Aber ich tröste mich damit, dass eine neue Generation von Leuten nach Tansania fahren wird, die ihre eigenen Geschichten erleben und schreiben werden: denn das nächste Workcamp ist schon geplant und findet vom 22.September bis 14.Oktober dieses Jahres statt. Falls ihr zu denen gehört, die weit weg von Pauschalurlaubsangeboten dieses Land hautnah erleben wollen, findet ihr mehr Informationen dazu hier auf der Homepage von IDEM.

Masai Neck

Ich liess bis jetzt aber eine der Nachwirkungen dieses Camps aus zu erwähnen. Denn was manchem Mitreisendem passiert ist, ist zu fallen. Genauer gesagt in ein Loch, das sich Kulturschock nennt, und wie es mir auch ergangen ist, wie man vielleicht schon aus den Zeilen zuvor herauslesen konnte. Auf einmal machen die ganzen Menschen, der Lärm, die Technik, die Eile der anderen einen wahnsinnig und man stellt die merkwürdigsten Dinge an. Wie zum Beispiel ich, der sich bereit erklärt hat zusammen mit dem schon im Text erwähnten Luzius das nächste Camp dort unten zu organisieren.

Wer sich also anmelden will, schreibe mir eine Email, und diejenigen von euch, die zwar keine Zeit, aber Geld übrig haben und das ganze für eine tolle und unterstützenswerte Idee halten, die mögen spenden, damit wir auch Baumaterial dort unten haben. Denn schließlich wir zahlen zwar unsere Flüge und Unterkunft selber, aber das Geld für Steine und anderes müssen wir anderweitig auftreiben. Also, wer will die Kontonummer von IDEM um etwas zu überweisen? Das ganze ist natürlich steuerlich absetzbar.

Bis zum nächsten Mal, wo immer mich der Wind hintreiben mag. V